2. Schritt

Definition von Grundlagen und Zielen

In diesem Schritt wird eine übergeordnete und handlungsleitende Vision entwickelt und mit Hilfe von Zielkriterien konkretisiert. Es werden außerdem die Weichen für die Datenerhebung gestellt.

Herausarbeiten eines Leitbildes

„Das Verkehrsplanungsinstrument der Mobilitätsberichterstattung will die (urbane) Mobilität sozial-gerechter sowie ökologisch-verträglicher gestalten.“


Eine zielorientierte Verkehrsplanung braucht eine Vision, die in all ihren Facetten von der Mehrheit der Akteure angestrebt wird. Daher wird an erster Stelle ein übergeordnetes Leitbild als normative Grundlage der Mobilitätsberichterstattung ausformuliert und ausgestaltet. Es sollte ganzheitlich, aber interpretationsfähig sein, damit Konkretisierungen für spezifische, untergeordnete Zielkriterien möglich bleiben. Wichtig ist außerdem, dass sich die Verwaltung mit dem Leitbild als Grundlage identifizieren kann. Schließlich wird sie die Maßnahmen als Ergebnis der Mobilitätsberichterstattung umsetzen.

Ableitung von Zielkriterien

Um das Leitbild für alle Akteure zu konkretisieren und einen ersten Schritt vom abstrakten Leitbild hin zu einem konkreten Handlungskonzept zu machen, werden Zielkriterien abgeleitet. Sie sollten als positive Eigenschaften und möglichst voneinander abgrenzbar formuliert werden. Es bietet sich an, sie als Zielzustände zu formulieren, wie hier beispielhaft für das Zielkriterium „Gesund und Sicher“ aus dem Mobilitätsbericht des Bezirks Berlin Pankow dargestellt wird:

„Die Förderung aktiver Mobilitätsformen wie Fuß- und Radverkehr ermöglicht gesunde Fortbewegung. Die Nutzung des Umweltverbunds verringert die gesundheitsschädlichen Emissionsquellen wie Lärm und Luftverschmutzung. Von besonderer Bedeutung ist der Fokus auf die Steigerung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden.“

Um alle Dimensionen der Mobilität zu integrieren, sollten die Zielkriterien mindestens Aussagen zu Umweltauswirkungen, Gesundheitsauswirkungen, Teilhabe und Gerechtigkeit enthalten.
Die fünf Zielkriterien werden mithilfe von Piktogrammen dargestellt. Bäume und Wolke symbolisieren eine „umweltfreundliche und ressourcenschonende Mobilität“. Für eine „gesunde und sichere Mobilität“ stehen eine Sitzbank und ein Vorfahrtsschild. Für „Vielfalt und Nähe“ stehen verschlungene Wege zwischen nahen Zielen. Für „vielseitige Erreichbarkeit“ wurde eine Brücke und Wegweiser als Symbol für verschiedene Verkehrsangebote zum Erreichen der Ziele ausgewählt. Für das Zielkriterium „sozial gerecht“ symbolisieren Häuser mit geöffneter Tür die Zugänglichkeit des Verkehrssystems.
Zielkriterien des Pankower Leitbildes einer nachhaltigen Mobilität

Konzeptionierung der Analysephase

Das entsprechende Vorgehen bei der Datenerhebung und -analyse muss zwischen dem Mobilitätsmanagement und den weiteren involvierten Ämtern abgeklärt werden. Als Teil der Fokusgruppen oder in einem weiteren Schritt sollten daher folgende Punkte festgelegt werden:

  • Datenerhebungsmethoden (siehe Methodenblätter)
  • Zielgruppen, z. B. Community Mappings mit Senior*innen oder Teilnehmende Beobachtungen mit mobilitätseingeschränkten Personen
  • Ablauf der Berichterstattung
  • Rollen der Verantwortlichen
  • Gemeinsames Verständnis für die Aufgabe der Mobilitätsberichterstattung

Akteursgruppen in der Mobilitätsberichterstattung

Um in Schritt 2 erfolgreich zu sein, braucht es die Integration aller relevanten Perspektiven. Daher wird im Folgenden ein Überblick gegeben, der die relevanten Akteursgruppen im Rahmen der Mobilitätsberichterstattung einordnet. Die kommunale Verkehrspolitik wird insbesondere von drei Stakeholdergruppen beeinflusst:

  • das Kommunalparlament
  • die Kommunalverwaltung (z. B. Fachämter für Verkehr, Stadtentwicklung, Gesundheit, Umwelt, Soziales)
  • die Bürger*innen als Individuen (Vereine und Verbände)
Abgebildet werden die Beziehungen zwischen den drei Akteursgruppen der verkehrspolitischen Gestaltung - diese sind die Kommunalverwaltung, die Kommunalpolitik und die Zivilgesellschaft. Die Kommunalverwaltung beobachtet das Verkehrssystem verändert es zielgerichtet. Es erhält dabei die normativen Zielvorgaben von der Kommunalpolitik. Die Zivilgesellschaft nutzt die Infrastruktur, überprüft die Umsetzung von Maßnahmen und bestimmt die verkehrspolitische Ausrichtung durch Wahlen. Die Kommunalpolitik wird von der Verwaltung mit Informationen versorgt, auf deren Basis sie Entscheidungen über die Gestaltung der Mobilität und die Verteilung von Ressourcen trifft.
Verbindung zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung auf kommunaler Ebene

Um entsprechende verkehrspolitische Ziele und Strategien zu formulieren, wird ein Aushandlungsprozess benötigt, der alle Akteure gleichberechtigt einbezieht.

Insbesondere qualitative Methoden wie (Fokus-)Gruppendiskussionen oder World Cafés ermöglichen diesen kreativen Aushandlungs- und Gestaltungsprozess mit den Akteuren. Mögliche Diskrepanzen zwischen der aktuellen Verkehrsplanung und den Bedarfen der Bevölkerung sollen durch die aktive Mitarbeit letzterer im ergebnisoffenen Erhebungs- und Abwägungsprozess aufgehoben werden. Die Planungsverantwortlichen ermöglichen durch Vorbereitung, Organisation und Moderation der Veranstaltungen, dass alle Akteure zusammenkommen und problemzentriert miteinander diskutieren können.

Checkliste

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