Quantitative Befragung

Datenerhebungsmethode (quantitativ)

Ziel der Methode

Befragungen werden mit unterschiedlichen Zielsetzungen durchgeführt. Ein Schwerpunkt liegt auf Erhebungen von Daten, die sich schlecht beobachten oder messen lassen, wie z. B. subjektive Wahrnehmungen, Einstellungen und Präferenzen. Im Verkehrsbereich werden Befragungen überdies zur Erfassung des Mobilitätsverhaltens genutzt.


Im Rahmen der Mobilitätsberichterstattung können Befragungen vor allem für folgende Themenstellungen relevant sein:


  • Zufriedenheit mit der Wohnumgebung, Infrastrukturen und Nahmobilitätsmöglichkeiten
  • Präferenzen bei der Verkehrsmittelwahl
  • Wahrnehmung des Angebots, der Qualität und Sicherheit verschiedener Verkehrsmittel und der dazugehörigen Infrastrukturen
  • subjektive Erreichbarkeit von Alltagszielen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln
  • Zufriedenheit mit der Umweltqualität im Wohnviertel
  • Mobilitätsbarrieren, unerfüllte Bedürfnisse, daraus resultierende Mobilitätsbedarfe und Schwierigkeiten bei Alltagswegen

Befragungen werden häufig postalisch oder als Online-Befragung konzipiert. Darüber hinaus sind auch persönliche Befragungen, z. B. im Straßenraum oder telefonische Befragungen möglich.

Das Foto zeigt die Umsetzung einer Radverkehrsbefragung im Straßenraum. Die Befragung wurde mithilfe eines A2-Aufstellers angekündigt, der mit der Frage „Zwei Minuten für besseres Radfahren auf dem Campus?“ beschriftet war. Ein Befrager nutzt einen Papierfragebogen. Ein zweiter Befrager verwendet ein Tablet.
Befragung zur Qualität der Radverkehrsinfrastruktur im Straßenraum (Foto: Maike von Harten)

Zielgruppe

Befragungen richten sich je nach thematischem Schwerpunkt an unterschiedliche Zielgruppen. Um ein allgemeines Bild der Mobilität oder der subjektiven Wahrnehmung der Nahmobilitätsmöglichkeiten in einem Gebiet zu erheben, sollte eine für die Gesamtbevölkerung repräsentative Stichprobe der Einwohner*innen befragt werden. Je nach Fragestellung kann es aber auch sinnvoll sein, die Befragung auf besonders relevante Bevölkerungsgruppen oder Teilräume zu beschränken, wie z. B. Kinder oder Mitarbeitende eines Unternehmens.

Vorgehensweise

  1. Konzeption der Befragung
    1. Ziele der Befragung festlegen
    2. Rahmenbedingungen klären
    3. Festlegung Teilnehmendenkreis
    4. Klärung datenschutzrechtlicher Anforderungen
  2. Vorbereitung der Befragung
    1. Art und ggf. Ort der Befragung festlegen (schriftlich, online, persönlich, telefonisch)
    2. Ermittlung der benötigten Stichprobengröße
    3. Entwicklung des Fragebogens und Pretest
  3. Organisation der Befragung (sofern keine externe Beauftragung geplant ist)
    1. Vorbereitung der Erhebungsunterlagen
    2. Zusammenstellung und Schulung des Erhebungsteams
    3. evtl. Öffentlichkeitsarbeit
    4. Abstimmung mit Behörden
  4. Erhebungsdurchführung
    1. Dokumentation von Besonderheiten
    2. ggf. Kontrollen
    3. ggf. Digitalisierung der Fragebögen
    4. Möglichkeiten der Kontaktaufnahme einrichten (z. B. bei Rückfragen, Beschwerden)
  5. Datenaufbereitung und -analyse
    1. Plausibilisierung
    2. ggf. Gewichtung der Daten
    3. Auswertung und Interpretation der Daten
  6. Dokumentation
    1. Dokumentation der Befragungsinhalte
    2. Erstellung eines Auswertungsberichts

Eine ausführliche Beschreibung zum Vorgehen finden sie im Handlungsleitfaden.

Zu beachten

  • Fragen können ggf. in bereits etablierte Befragungen integriert werden, z. B. in kommunale Bürger*innenumfragen, die SrV- oder MiD-Erhebung.
  • Überlegungen zur Stichprobengröße sind notwendig, um Aussagen in der gewünschten Genauigkeit treffen zu können. Wenn das Erreichen der erforderlichen Stichprobengröße unwahrscheinlich ist, können bei der gewünschten Aussagekraft der Befragung Abstriche gemacht werden. Andernfalls sind erst die finanziellen und personellen Ressourcen für die Befragung zu sichern.
  • Zum Erhebungsservice gehören ggf. Erinnerungen an die Befragung, ein kleines Dankeschön für die Teilnahme und eine Kontaktmöglichkeit für Rückfragen.
  • Online-Fragebögen können durch Filterfragen an die individuelle Situation der Befragten angepasst werden und erleichtern die Auswertung, da sie bereits in digitaler Form vorliegen. Papierfragebögen stellen eine Alternative für kurze Befragungen dar, z. B. im Straßenraum und können ergänzend genutzt werden, um auch Menschen ohne Internetzugang zu beteiligen.

Akquise der Teilnehmenden

Die Akquise der Teilnehmenden hängt von der Art der Befragung ab und davon, ob eine repräsentative Stichprobe erforderlich ist. Soll die Befragung repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein, wird häufig eine Zufallsstichprobe aus dem Register des Einwohnermeldeamts gezogen, die dann zunächst postalisch angeschrieben wird. Bei Befragungen im Straßenraum werden potenzielle Befragte direkt angesprochen, z. B. Ansprache jeder dritten Person, um sicherzustellen, dass die Befragten möglichst zufällig ausgewählt werden.


Online-Befragungen werden oft mit geringeren Anforderungen an die Repräsentativität durchgeführt. In diesen Fällen ist eine intensive Bewerbung über verschiedene Kanäle (Zeitung, Mailing-Listen, soziale Medien) geeignet, um ausreichend und verschiedene Teilnehmende zu rekrutieren. Sollen spezifische Zielgruppen befragt werden, ist auch eine Zusammenarbeit mit geeigneten Einrichtungen, z. B. Schulen, hilfreich.

Weiterführende Literatur

Für die Planung und Durchführung von Befragungen sowie die Gestaltung von Fragebögen und einzelnen Fragen gibt es eine Vielzahl von Büchern. Eine erste Einführung in das Thema „Befragungen“ sowie eine Einordnung dieser Methode in die Vielfalt möglicher Erhebungsverfahren können z. B. den folgenden Quellen entnommen werden:


Umweltbundesamt (Hrsg.)

Evaluation zählt: Ein Anwendungshandbuch für die kommunale Verkehrsplanung.

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FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. (2012)

Empfehlungen für Verkehrserhebungen. FGSV-Verlag, Köln (ISBN: 978-3-941790-99-5)


Anregungen zur Formulierung konkreter Fragen liefern ggf. bereits etablierte Befragungen und Fragebögen. Beispielsweise können die Fragebögen der beiden größten Mobilitätserhebungen in Deutschland – MiD und SrV – auf den jeweiligen Internetpräsenzen eingesehen werden (Nobis 2019; Hubrich 2019). Je nach spezifischem Thema der Befragung können aber auch Befragungen aus anderen Themenfeldern relevant sein. So adressieren die in vielen Kommunen üblichen kommunalen Bürger*innenumfragen häufig Aspekte der Lebensqualität in Städten (z. B. Verwiebe 2014 und LH Dresden 2020). Die Fußgängerfreundlichkeit einer Wohnumgebung kann u. a. mithilfe des ALPHA- oder des NEWS-Fragebogens erfasst werden (Spittaels 2009; Boedecker u. a. 2010).


Nobis, C., Köhler, K. (2019)

Mobilität in Deutschland – MiD Nutzerhandbuch. Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Nr. 70.904/15). Bonn, Berlin.

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Hubrich, S., Ließke, F., Wittwer,
R., Wittig, S., Gerike, R. (2019)

Methodenbericht zum Forschungsprojekt „Mobilität in Städten – SrV 2018“

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Verwiebe, R., Troger, T., Riederer, B. (2014)

Lebensqualität in Wien 1995-2013. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung II. In: Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung (Hrsg.): Werkstattbericht 147. ISBN 978-3-902576-96-5.

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Spittaels, H., De Bourdeaudhuij, I., Foster, C., Oja, P., Oppert, J.-M., Rutter, H., Sjöström, M. (2009)

Langversion des Fragebogens zu Umweltwahrnehmung, aktivem Transport und körperlicher Aktivität.

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Boedecker, M., Bucksch, J., Fuhrmann, H. (2010)

Messung fußgängerfreundlicher Wohnumgebungen.

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LH Dresden (2020)

Kommunale Bürgerumfrage 2020 – Hauptaussagen.

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