5. Schritt

Erarbeitung des Handlungskonzeptes

Um darzustellen, wie aus der theoretischen Strategieebene auf die praktische Handlungsebene abgeleitet wird, müssen nun Maßnahmen identifiziert werden, die zielführend sind und von allen verantwortlichen Stellen mitgetragen werden. Dafür werden u. a. Akteure aus Politik, Verwaltung sowie kommunalen Verkehrsunternehmen aktiv beteiligt. Der Erarbeitungsprozess gliedert sich in die drei Teile: Kreative Maßnahmenentwicklung, Priorisierung von Maßnahmen und Festlegung von Verantwortlichkeiten und Zeitplänen.

Kreative Maßnahmenentwicklung

Die in den Strategien festgehaltenen Forderungen werden auf zwei Wegen in Maßnahmen überführt. Einerseits wird in bestehenden Policy-Instrumenten geprüft, welche Maßnahmen bereits umgesetzt werden oder geplant sind. Für diesen Weg kommen Planungswerke und -konzepte, wie zum Beispiel Energie- und Klimaschutzprogramme, Lärmaktions- und Luftreinhaltepläne, Stadtentwicklungspläne, Nahverkehrspläne oder verkehrsplanerische Untersuchungen in Frage.

Andererseits werden neue Maßnahmen erarbeitet, die garantieren, dass alle Teilbereiche aus den Strategien abgedeckt werden. Methodisch kann dies z. B. in verwaltungsinternen AGs, durch Mobilitätsmanager*innen, offene Bürger*innenwerkstätten oder Workshops umgesetzt werden. Vorzugsweise sollten dabei alle relevanten Akteure eingebunden werden. Das im Projekt MobilBericht gewählte Workshop-Format World Café kommt dem entgegen und wird unter der Methodenbeschreibung detailliert beschrieben.

Die entstandene Maßnahmensammlung muss gegebenenfalls durch eine Vorauswahl reduziert werden, bevor sie den kommunalen Entscheidungsträger*innen in einem weiteren Workshop zur Priorisierung einzelner Maßnahmen vorgelegt wird. Dabei hilft es, Synergien oder sogar Dopplungen zu identifizieren und die Maßnahmen, wenn möglich, entsprechend zusammenzufassen. So können zum Beispiel Synergien entstehen, wenn einzelne Maßnahmen gleich mehrere Strategien aus Schritt 4 adressieren. Die Vorauswahl kann auch entlang von Kategorien wie Push oder Pull, Umsetzungsdauer und Finanzaufwand erfolgen. Um Maßnahmen mehr Gewicht zu geben, kann außerdem geprüft werden, inwiefern sie durch Planwerke oder auch Gesetze bereits unterstützt werden.

Priorisierung von Maßnahmen

Die Maßnahmenliste wird zu diesem Zeitpunkt sehr umfangreich sein. Daher ist es sinnvoll, unter Einbindung der relevanten Leitungsebene in der Verwaltung einzelne Maßnahmen zu priorisieren. Die Fokussierung auf Maßnahmen mit hohem Umsetzungspotential, bspw. aufgrund von vorhandenem politischen Willen und Unterstützung aus der Verwaltung, erhöht nicht nur die Akzeptanz seitens der Verwaltung. Auch eine erfolgreiche Umsetzung wird realistischer.

Zur Maßnahmenpriorisierung kommen abermals verschiedene Formate infrage, wobei auf die Einbindung aller Akteure mit Entscheidungskompetenz geachtet werden muss. Auch hier wird ein Workshop im World Café-Format mit den Entscheidungsträger*innen der Verwaltung, der Politik und den städtischen Verkehrsunternehmen angeraten. In dessen Rahmen werden die Teilnehmenden beauftragt, Maßnahmen mit der ihrer Meinung nach größten Relevanz zu identifizieren. Zur Präsentation der Maßnahmenbündel eignen sich Poster, Flip-Charts oder Videoprojektionen. Dabei kann mit einem Punktesystem gearbeitet werden, das allen Teilnehmenden erlaubt, nach den Gruppendiskussionen eine gewisse Punkteanzahl als Priorität an den jeweiligen Tischen zu verteilen. Die Maßnahmen mit der höchsten Punktzahl werden zur Realisierung in den Mobilitätsbericht übernommen.
Das Foto zeigt beispielhaft ein Poster mit vorgeschlagenen Maßnahmen. Das Poster wurde im Rahmen eines World Cafés zur Maßnahmenentwicklung im Bezirk Berlin Pankow eingesetzt. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, die zuvor erarbeiteten Maßnahmen mit Klebepunkten zu priorisieren und mithilfe von Haftnotizen zu kommentieren.
Beispiel eines Posters des Priorisierungs-World Cafés in MobilBericht. Sticker-Punkte können für die Priorisierung der vorkategorisierten Maßnahmen genutzt werden. Es ist empfehlenswert die Kommentierung von Maßnahmen z. B. durch Post-Its zu ermöglichen, um Know-how und Erfahrung nicht zu verlieren. (Quelle: Eigenes Foto)

Festlegung von Verantwortlichkeiten und Zeitplänen

Um die Maßnahmen zu einem handlungsleitenden Konzept zu verarbeiten, wird für jede einzelne Maßnahme herausgefunden und festgehalten, welche Stelle die Hauptverantwortung für die Umsetzung trägt und welche Stellen unterstützen. Außerdem wird für die Umsetzung ein Zeitplan definiert. Der Konkretisierungsgrad (von „mittel bis langfristig“ über Jahresscheiben bis hin zu Quartals- oder Monatsangaben für einzelne Arbeitsschritte) ist dabei ein Instrument, das Verbindlichkeit schafft. Es sollten in diesem Zusammenhang bereits einzelne Arbeitsschritte vorausgedacht und in Abstimmung mit den verantwortlichen Stellen festgehalten werden. Neben der Abstimmung mit der Verwaltung ist hier auch denkbar, die Verbindlichkeit durch politische Beschlüsse in lokalen Gremien (z. B. Stadtrat, Bezirksverordnetenversammlung o. ä.) weiter zu stärken.

Ein Überblick an Maßnahmen, die sich aus den fünf Zielkriterien in der Mobilitätsberichterstattung von Pankow abgeleitet haben, sind in dieser Tabelle einzusehen:

Checkliste

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