4. Schritt

Strategieentwicklung aus der SWOT-Analyse

Strategien sind eine Auswahl möglicher, existierender und wünschenswerter Entwicklungspfade als Handlungsoptionen in einem bestimmten Gebiet, um das übergeordnete Leitbild – die nachhaltige urbane Mobilität – zu erreichen. Eine Strategie beschreibt auf Grundlage des bewerteten Status Quo, ´was´ sich im Verkehrssystem ´warum´ verändern muss, damit eine zielorientierte Entwicklung (´wohin´– zum Leitbild) ermöglicht wird. Die Fragen des ´Wer macht was, wann und in welcher Form?´ einer Umsetzungsstrategie werden im nachfolgenden Schritt 5 beantwortet und bleiben hier vorerst offen. In Schritt 4 soll der strategische Schluss aus den Daten und der Bewertung zielorientiert und konsistent die Zusammenführung von Soll- und Ist-Zustand darstellen.


Als Grundlage zur Entwicklung von Strategien wurde der Ist-Zustand mithilfe der SWOT-Matrizen bewertet, in denen das Verkehrssystem erfasst (Stärken und Schwächen) und die potenziellen Entwicklungen (Chancen und Risiken) berücksichtigt werden (Schritt 3). Die zweite Grundlage bildet die Aufstellung eines übergeordneten Leitbilds und daraus abgeleitete Zielkriterien, die den Soll-Zustand für die Entwicklung des Verkehrssystems vorzeichnen (Schritt 2). Für die Bildung von Strategien im Rahmen der SWOT-Analyse werden diese beiden Grundlagen zusammengeführt, um die Entwicklungswege zum Erreichen der Ziele aufzuzeigen (Schritt 4).


Die Zusammenführung von Stärken und Schwächen mit den Chancen und Risiken innerhalb der SWOT-Matrix kann nach verschiedenen strategischen Ansätzen erfolgen:


  • Bereits bestehenden Schwächen zum Erreichen des Ziels reduzieren.
  • Identifizierte Stärken nutzen.
  • Zukünftige Chancen zum Erreichen des Ziels vollumfänglich nutzbar machen.
  • Mögliche Risiken oder Gefahren für das Ziel minimieren.

Das Beispiel zeigt, dass Strategietypen sich inhaltlich aufgrund des Themenfelds überschneiden können, wodurch eine oder mehrere zentral zusammenfassende Strategien pro Themenfeld formuliert werden, die verschiedene Aspekte von Mobilität, Verkehr und Infrastruktur beinhalten.

Zur Bildung von Strategien für ein Zielkriterium müssen die Stärken und Schwächen mit den Chancen und Risiken verbunden werden. Dabei gilt: Stärken nutzen, um Chancen nutzbar zu machen; Fokussierung auf Chancen, um Schwächen zu reduzieren; Stärken nutzen, um Risiken zu minimieren und Schwächen abbauen, um Risiken herabzusetzen. In der Planungspraxis können sich diese Voraussetzungen zu übergreifenden Strategien verbinden. Wenn beispielsweise als bewertete Stärke die Nutzung des Fahrrads am Modal Split steigt, kann der Chance, dass es finanzielle Förderschwerpunkte im Radverkehr gibt, genauso wie dem Risiko, dass eine steigende Kfz-Nutzung prognostiziert wird, damit begegnet werden, dem Radverkehr künftig mehr Platz und Sicherheit zu bieten.
Systematik der strategischen Zusammenführung von Stärken und Schwächen mit Chancen und Risiken

Diese systematische und transparente Vorgehensweise kann helfen, die Strategiebildung strukturiert vorzunehmen und verschiedene Verknüpfungen zu überprüfen. Dabei gilt es folgendes zu berücksichtigen:


  • Die Strategieerarbeitung ist eine kooperative und diskursive Arbeit der verschiedenen Akteure der Mobilitätsberichterstattung, z.B. externe Expert*innen, Vertreter*innen der Verkehrspolitik, Interessenverbände oder der Einwohner*innen. Als Format eignen sich dafür bspw. Workshops, Fokusgruppen, World Cafés, Gruppendiskussionen oder bei zentralen Fragestellungen die Mobilitätskonferenz (vgl. Schritt 6).
  • Es sollen alle Argumente der SWOT-Matrix berücksichtigt werden. Allerdings kann verkehrspolitisch abgewogen werden, bestimmte Indikatoren nicht strategisch abzudecken, wenn sie aufgrund ihres Beitrags zu den Zielkriterien mit einer geringen Priorität bewertet werden. Somit kann sich Komplexität verringern und strategisch fokussiert und zielorientiert gehandelt werden.
  • Die Strategien sind meist konzentrierte Zusammenführungen, da sie mehrere Argumente der SWOT-Matrix aus einem Feld umfassen. Somit können als gesamtheitlicher Ansatz statt einer Vielzahl an Strategien, wenige zentrale herausgearbeitet werden, die eine Fokussierung ermöglichen.
  • Da Strategien zwar eine Entwicklungsrichtung, jedoch keinen konkreten Zielzustand angeben, gelten sie bis zur strategischen Überarbeitung in der Fortschreibung der Mobilitätsberichterstattung.
  • Um Ziele des jeweiligen Zielkriteriums zu erreichen, können die Strategien mit konkreten Vorgaben formuliert und damit später evaluiert werden.

Checkliste

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