World Café

Entscheidungsfindungsmethode (qualitativ)

Ziel der Methode

Das World Café dient als qualitative Forschungsmethode, um in einem einfachen, effektiven und flexiblen Format mit einer großen Gruppe über komplexe Themen zu sprechen. So kann eine Vielfalt an Perspektiven und Denkweisen reflektiert werden und das Wissen und die Kompetenzen der Beteiligten gesammelt werden.


Im Rahmen der SWOT-Analyse kann das World Café für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden:


  • Kreativer Prozess zur Entwicklung geeigneter Maßnahmen, um Strategien im lokalen Kontext umzusetzen.
  • Diskursiver Prozess zur Bewertung von Prioritäten im Vergleich potenziell geeigneter Maßnahmen.

Die Aufgaben werden voneinander getrennt in einem Umsetzungsprozess mit zwei separaten Veranstaltungen durchgeführt. Nach dem Modell der SWOT-Analyse werden in einem ersten World Café Maßnahmen diskutiert. Nach der Überarbeitung und Auswahl geeigneter Maßnahmen sollte in einem zweiten World Café mit den Entscheidungsträger*innen der Kommune eine Maßnahmenpriorisierung vorgenommen werden. Die Methode kann auch für z. B. die Diskussion der Ziele oder Erhebungsmethoden in angepasster Form angewendet werden (vgl. Fokusgruppen).

Zielgruppe

Grundsätzlich können alle Interessierten an den offenen Diskussionsrunden teilnehmen. Da die Bewertung des Verkehrssystems auf den partizipativen Erhebungsmethoden aufbaut und die daraus entwickelten, zu diskutierenden Strategien dies integrieren, werden die World Cafés nur mit Vertreter*innen aus den Akteursgruppen der lokalen Entscheidungsträger*innen durchgeführt. Entweder berücksichtigt und integriert die Moderation die Position der Bürger*innen oder Bürger*innen selbst werden in die kreative Maßnahmenentwicklung einbezogen (Mehraufwand).


Pandemiekonform kann die Veranstaltung digital per Videokonferenz stattfinden. Bei der Vorauswahl der Maßnahmen, die nach ihrer Priorität bewertet werden sollen, können ebenfalls die Vorschläge aus der Bevölkerung von den partizipativen Erhebungsmethoden aufgegriffen werden, sodass die Einschätzung nicht verloren geht.


Für den verbal-argumentativen Aushandlungsprozess bietet sich die Einteilung in moderierte Kleingruppen mit ca. 4 – 6 Personen an. So können sich alle Teilnehmenden mit ihren Standpunkten in einer einladenden (Café-)Atmosphäre einbringen und voneinander durch verschiedene Wissensbestände lernen. Die Anzahl an Gesprächsrunden wird durch die Themenvielfalt bestimmt. Durch die in jeder Runde den Tischen wechselnden Diskutierenden bieten sich immer wieder neue Gesprächskonstellationen.

Vorgehensweise

  1. Formulierung eines übergeordnete Ziel als Rahmen für die Veranstaltung (siehe Aufgaben).
  2. Vorbereitung einer Veranstaltung durch Akquise und Einladung von Teilnehmenden, Festlegung des Ortes, Vorbereitung des Inputs sowie eines Konzepts über die Gesprächsthemen, Gruppengröße, Anzahl an Gesprächsrunden und Ergebniserfassung.
  3. Einführung in die Veranstaltung pro Tisch (Erklärungen über Anlass, Umfang, Gesprächsregeln und Zweck sowie den jeweiligen Inputs).
  4. Optionale Erläuterung bereits diskutierter Maßnahmen der vorherigen Runde.
  5. Dokumentation der Gespräche, z. B. Tafelbilder oder Listen mit Punktebewertungen.

Eine ausführliche Beschreibung zum Vorgehen finden sie im Handlungsleitfaden.

Zu beachten

  • Da alle Teilnehmenden Teil der Diskussion werden sollen, sollte die Anzahl an Themen und die daraus resultierende Gruppengröße jeder Person einen ausreichenden Redeanteil in den Diskussionsrunden ermöglichen. Dafür ist eine Moderation an jedem Tisch einzusetzen.
  • Die Moderation hat die Aufgabe gezielt nach ihren Intentionen und Bewertungen fragen, auf die Einhaltung von Gesprächsregeln zu achten, damit die Diskussionen sachlich, kontextbezogen sowie kurz und knapp bleibt
  • Die Dokumentation der Ergebnisse sollte am Tisch transparent und ggf. mit den Teilnehmenden selbst stattfinden, um Missverständnisse zwischen den Aussagen und der Interpretation zu vermeiden.
  • Ort und Termin der Veranstaltungen sind frühzeitig zu kommunizieren. Wegen weiterer Verpflichtungen wie Familie und Beruf bietet sich für die Durchführung ein Zeitrahmen von 15 bis 19 Uhr an. Der Ort sollte eine räumliche Nähe zu den Teilnehmenden gewährleisten, aber der Ort auch neutral sein und niemanden bevorzugen.

Akquise der Teilnehmenden

  • Gezielte Ansprache von Vertreter*innen der Interessengruppen: Gemeinde- und Landesämter (z. B. Stadtentwicklung, Straßen- und Grünflächen, Soziales), politische Parteien (z. B. aus Zusammensetzung des Gemeinderats) und kommunale Verkehrsunternehmen
  • Wenn keine Kontaktperson bekannt ist: Anschreiben der Institutionen mit Bitte um einen Personenvorschlag

Einblicke in die Praxis

Gesprächsregeln

  • Es redet immer nur einer
  • Andere ausreden lassen
  • Aktiv zuhören
  • Sachlich bleiben
  • Keine Beleidigungen
  • Sich auf den Vorredner beziehen
  • Ich-Botschaften statt Du-Botschaften
  • Kurz fassen
  • Keine Killerphrasen („Geht nicht“, „nie“, „Kann nicht“, „das ist so“)
  • Keine Verallgemeinerungen („wir“, „man“, „alle“)
  • Kritik bedingt einen Gegenvorschlag
  • Themenschwerpunkt beachten
  • Wir sind nicht auf der Suche nach Konsens, sondern nach Meinungen und Standpunkten.
  • Jede Meinung zählt gleichermaßen, es gibt kein richtig oder falsch.
  • Botschaften haben einen Informationsgehalt.

Leitlinien der Moderation

  • Neutrales und unabhängiges Verhalten gegenüber allen Beteiligten und Themen,
  • die Gespräche sollen bevorzugt von allein laufen, ohne inhaltliche Eingriffe und Vorgaben,
  • Eingriffe in den Gesprächsablauf nur bei Verstößen gegen Gesprächsregeln, Dominanz von einzelnen Teilnehmenden oder Zeitüberschreitungen von einzelnen Themen,
  • zurückhaltende Teilnehmende sollen in die Diskussion eingebunden werden und
  • bei Stagnation des Gesprächsflusses sollen Stimulationsfragen zur Diskussion gestellt werden.
Das Foto zeigt beispielhaft ein Poster mit vorgeschlagenen Maßnahmen. Das Poster wurde im Rahmen eines World Cafés zur Maßnahmenentwicklung im Bezirk Berlin Pankow eingesetzt. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, die zuvor erarbeiteten Maßnahmen mit Klebepunkten zu priorisieren und mithilfe von Haftnotizen zu kommentieren.
Priorisierung und Bewertung von Maßnahmen im Rahmen des World Cafés mithilfe von Punktevergaben und Kommentaren

Weiterführende Literatur

Brown, J., Isaacs, D. (2005)

The World Café: Shaping Our Futures Through Conversations That Matter. San-Francisco: Berrett-Koehler Publishers


Fouché, C., Light, G. (2011)

An Invitation to Dialogue. ‘The World Cafe’ In Social Work Research. In: Qualitative Social Work, Vol. 10 (1): 28-48.

DOI: 10.1177/14733250103.

URL: theworldcafe.com


Nanz, P., Fritsche, M. (2012)

Handbuch Bürgerbeteiligung. Verfahren und Akteure, Chancen und Grenzen. bpb Schriftband Reihe 1200, Bonn.


Ruppert-Winkel, C., Hauber, J., Stablo, J., Kress, M. (2014)

Das World Café als Integrationsinstrument in der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. In: GAIA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft; Heft 23/3, S. 243–252.


Steier, F., Gyllenpalm, B., Brown, J., Bredemeier, S. (2008)

World Café. Förderung der Teilhabekultur. In: Kersting, N. (Hrsg.): Politische Beteiligung. Einführung in dialogorientierte Instrumente politischer und gesellschaftlicher Partizipation. S. 167–180, VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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